Auflösung der Evangelisch-kirchlichen Vereinigung

von Heinz Gloor

Kirchliche Gruppierungen innerhalb der Churer Kirchgemeinde gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert. Die „Positiven“, wie man sie früher nannte, sind aus der Minoritätsgemeinde (1874-1913) an der Regulakirche herausgewachsen. Einige der Gruppierungen haben in den 70-er und 80-er Jahren schon aufgeben müssen. Nun hat aus Gründen der Überalterung resp. Nachwuchsmangel auch die Evangelisch-kirchliche Vereinigung Chur den Abschied von den bisherigen Aktivitäten nehmen müssen. Es fiel dem langjährigen Präsidenten Josias Burger nicht leicht, am 10. November den versammelten Mitgliedern diesen lang vorbereiteten Antrag stellen zu müssen. Hat man doch über Jahre und Jahrzehnte versucht, den religiös engagierten Churerinnen und Churern ein reichhaltiges Programm zu bieten: Vorträge von einheimischen oder auswärtigen Persönlichkeiten. In Erinnerung bleibt besonders der Tageskurs „Bibel und Koran“, der das Comanderzentrum 2015 ganz gefüllt hatte. Andere Aktivitäten waren (und sind z.T. immer noch): das Frühgebet, Hauskreise, die Mitgestaltung des Begegnungscafés, die Sing- und Betandacht in der Regulakirche, die Mitarbeit in den Quartierkommissionen und in der Evangelischen Allianz Chur. Unsere Vereinigung hatte sich auch stark gemacht für die Wiederbesetzung einer Pfarrstelle, die aus finanziellen Gründen auf der Kippe stand. Ebenso haben wir immer versucht, den Wählern gute Vorschläge bei Pfarrwahlen, Kirchenvorstands-Wahlen und bei Wahlen ins Kolloquium vorzulegen. Eines unserer letzten Engagements hatte fast symbolischen Charakter: Zusammen mit den „Freien Protestanten“ und der Kirchgemeinde ermöglichten wir die Erstellung einer Relieftafel aus Marmor an der Comanderkirche anlässlich der Feier zu 500 Jahre Reformation und 60 Jahre Comanderkirche im letzten Jahr. Der Abschied von der Vereinigung hat nun stattgefunden, aber die „positiven Glaubensgenossen“ (wie man früher sagte) leben weiter und sind offen für die Frage: Was hat Gott noch mit uns vor?