Das Projekt Regulakirche im 2017

von Pfarrerin Christina Tuor

Am 2. Februar wurde zur Vernissage der Publikation «Die Regulakirche und ihre Glasfenster» eingeladen. Umrahmt von Querflötenmusik lasen die Altstadtpfarrer biblische Texte zu den verschiedenen Motiven auf den neun Glasfenstern, die der Basler Künstler Hanns Studer vor vierundvierzig Jahren angefertigt hatte. Da es Abend war, wurden die Fenster von aussen beleuchtet, sie warfen einen besonderen Wiederschein in den Kirchenraum. Der Disentiser Altabt und Kunsthistoriker Daniel Schönbächler hielt einen Vortrag zur Geschichte der Kirchenglaskunst. Im Anschluss traf sich das zahlreich erschienene Publikum zum Apéritif und persönlichen Austausch.

Im März, Juni und September fanden drei Gesprächsrunden zu Themen der Reformation statt. Der Basler Theologieprofes- sor Ekkehard Stegemann sprach am 28. März zu «Reformation und Judentum». Anschliessend wurde in kleinen Gruppen über Aussagen Luthers, Bullingers und Comanders zu den Juden diskutiert. Die Filmfachfrau von SRF Madeleine Hirsiger führte am 13. Juni zum Thema «Die Täufer der Reformationszeit» in die umstrittene Verfilmung von Gottfried Kellers Novelle «Ursula» ein. Die Anwesenden diskutierten über den Umgang der Schweizer Reformatoren mit den Täufern. Der dritte Abend am 28. September befasste sich mit «Johannes Comander aus der Sicht seines Biographen Pfr. Wilhelm Jenny». Die Altstadtpfarrer lasen Texte aus der Comanderbiographie des ehemaligen Churer Pfarrers Wilhelm Jenny. Als Hö- hepunkt schilderte der älteste Sohn Jennys, der Historiker Beat Jenny, wie sein Vater im Jahr 1944 in der Stadtbibliothek einen Band mit Predigtvorbereitungen entdeckte, die er dem Churer Reformator Comander zuschreiben konnte. Die drei Abende boten Gelegenheit zu anregenden Diskussionen unter den Anwesenden.
In Zusammenarbeit mit dem Projekt Regu- lakirche fanden am 2. November zur Woche der Religionen interreligiöse Tischgespräche statt. Im Kirchgemeindehaus Comander konnten sich kleinere religiös gemischte Gruppen beim Essen über Themen austauschen, die in allen Religionen, wenn auch unterschiedlich, bekannt sind: Fasten, Meditation, Gebet, Pilgern, Kleidung, Rolle der Frau. Die Gespräche wurden von Vertreterinnen und Vertreter von sechs Religionsgemeinschaften aus Chur geleitet. Der Anlass lockte eine bunte Schar von rund neunzig Menschen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften in den Comandersaal.

Ebenfalls unter der Mitleitung des Projekts Regulakirche wurde am 17. November die ökumenische Feier Nacht der Lichter vorbereitet und durchgeführt. Die ruhige und schöne Feier nach der Liturgie der Gemeinschaft von Taizé, dieses Jahr in der Kathedrale, war von Jung und Alt überaus gut besucht. Jugendliche halfen beim Einrichten der Kirche und wirkten bei der Liturgie mit. Musikalisch geführt wurde der Anlass von Regina Wilms, Klavier und Vokal sowie Ruth Michael, Geige und Flöte.

Zur Einführung in die verschiedenen Taizé-Anlässe wurden in der Regulakirche am 7. April ein Workshop zum Einüben der mehrstimmigen Taizélieder und am 16. Nov. eine Einführung in die ökumenische Gemeinschaft von Taizé angeboten.

Die wöchentlichen Andachten am Donnerstag wurden auch in diesem Jahr weitergeführt. Vier verschiedene Andachten wurden je einmal im Monat gefeiert: die Jugendandacht mit Liedern aus Taizé, die Sing- und Betandacht mit einer Vorbereitungsgruppe aus der Gemeinde, die ökumenische Taizéandacht gemeinsam mit der katholischen 15
Kirchgemeinde Chur sowie eine Bild-, Text- und Musikandacht zu den Reformatoren. Alle Andachten sprachen ein jeweils eigenes Publikum an, sie lockten aber auch immer wieder neue Menschen in die Regulakirche.

Jeden Donnerstag über Mittag fand zusammen mit der Kantorin Regina Wilms ein halbstündiges offenes Taizésingen für je- dermann statt. Das Singen zog einen kleinen, aber konstanten Kreis an Interessierten an. Jeweils am Samstagmorgen feierte die christlich-orthodoxe Gemeinschaft der Eritreer ihren Gottesdienst in der Regulakirche. Dreimal in der Woche war die Regulakirche nachmittags als Raum der Stille für Besu- cherinnen und Besucher geöffnet.

Neben den Aktivitäten des Projekts Regu- lakirche fanden kleinere spezielle Gottesdienste in der Regulakirche statt, so die ökumenische Feier zum Empfang des Friedenslichts am 19. Dezember und der Weihnachtsgottesdienst für Gehörlose am 26. Dezember. Das Projekt Regulakirche wird von einer Projektgruppe mit Vertretung des Vorstands, des Gesamtkollegiums und des Mesmerdienstes begleitet. Erfahrungen und Rückmeldungen zu Anlässen sind willkommen und fliessen in die laufende Arbeit ein.