Frauenhaus Graubünden 2017

von Riti Sharma Wyss, Vizepräsidentin Stiftung Frauenhaus Graubünden

Im Jahr 2016 wurde das Angebot rege genutzt. 30 Frauen und 27 Kinder fanden im Frauenhaus Zuflucht. Insgesamt waren 937 Belegungstage zu verzeichnen. Viele Zuweisungen erfolgten aus anderen Kantonen, deren Frauenhäuser öfters voll waren. Das Frauenhaus Graubünden musste seinerseits acht Frauen und elf Kinder wegen Platzmangels an andere Frauenhäuser verweisen. Neben ambulanten, telefonischen und elektronischen Beratungen mit Betroffenen und Drittpersonen, gab es auch viele Nachberatungen für ehemalige Klientinnen.
Laut dem Eidgenössischen Büro für Gleichstellung hat die Polizei im Jahre 2016 über 17’600 Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt registriert. Noch immer werden Frauen am häufigsten Opfer von häuslicher Gewalt. Aus Dunkelfeldstudien geht hervor, dass Frauen mit Behinderung sogar zwei- bis dreimal mal häufiger Gewalt erfahren. Bis anhin gab es in der Schweiz noch kein rollstuhlgängiges Frauenhaus, trotz Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Schweiz im Jahr 2014. Aus diesem Grund hat das Frauenhaus Graubünden die Initiative «barrierefreies Frauenhaus» lanciert und 2016 erfolgreich umgesetzt. Die Räumlichkeiten wurden behindertengerecht umgebaut und die Infrastruktur angepasst. Die neue Webseite ist jetzt kompatibel mit verschiedenen mobilen Endgeräten und vor allem für Sehbehinderte und Gehörbeeinträchtigte bedienungsfreundlicher. Somit ist das Frauenhaus Graubünden schweizweit das erste barrierefreie Frauenhaus, das Schutz, Unterkunft, Begleitung und Bera- tung auch für Frauen und Kinder mit Behinderungen anbieten kann.

Der Bereich Finanzen war 2016 insofern erfreulich, weil der Kanton den Betriebsbeitrag erhöht hat. Ohne diesen, sowie die Unterstützungsbeiträge von Gemeinden, kantonalen Frauenverbänden und kirchlichen Körperschaften, könnte sich das Frauenhaus nicht finanzieren. Ebenso wichtig sind die kleinen und grösseren Spenden von Privaten, Institutionen und Unternehmungen, die einen wesentlichen Teil zur Betriebssicherung beitragen.